Facts & Figures

Zahlen schaffen Fakten, Bewusstsein und eine Grundlage für weitere Diskussionen.

Deshalb sammeln wir hier an dieser Stelle für Euch Zahlen, Daten und Fakten zum Thema strukturelle Benachteiligung von Frauen* und nichtbinären Menschen in der Musikbranche.

2021 kooperierte die MaLisa Stiftung mit der internationalen Initiative Keychange für eine Studie zur Geschlechtervielfalt in der Musikwirtschaft und zur Musiknutzung.

Die neue MaLisa Recherche „Gender in Music – Charts, Werke und Festivalbühnen“ liefert nun weitere Zahlen, die diese ersten Einschätzungen untermauern.

ZENTRALE ERGEBNISSE

Die Musikbranche bleibt über die vergangenen zehn Jahre nahezu unverändert in hohem Maße männlich dominiert. Frauen sind im Verhältnis zu ihrem Anteil in der Gesellschaft deutlich unterrepräsentiert, nichtbinäre Menschen und andere Geschlechtsidentitäten sind noch weniger sichtbar und konnten so gut wie nicht identifiziert werden. 

Ob es um Songwriting, Charts, GEMA Mitgliedschaft, die dort angemeldeten Songs oder die Festivalbühnen geht: Der Frauenanteil bleibt in allen Bereichen weit unter einem Fünftel. Und es lässt sich im untersuchten Zeitraum kein deutlicher Aufwärtstrend feststellen. In bestimmten Teilen gab es sogar einen Rückschritt. Einzig bei den Festivals ist beim Frauenanteil ein zaghafter Trend nach oben zu sehen. 

Gender in Music

Gender in Music: Top 100 Single-Charts 

Die Musik in den deutschen Charts wird zu mehr als 85% von Männern komponiert. Im untersuchten Zeitraum zeigte sich sogar ein Aufwärtstrend des Männeranteils.

In den Top 100 Single-Charts 2010 waren 86 % der Urheber*innen männlich, 2019 war ihr Anteil mit 91% noch höher.

Männerüberhang in deutschen Charts

Songs von rein weiblichen Urheber*innen sind in den Charts kaum vertreten, hier gibt es sogar einen Abwärtstrend (knapp über 3 % in 2010, knapp 2 % in 2015, weit unter 1 % in 2019).

Frauenteams als Urheberinnen in den Charts

Unter den „Dauerbrennern“, also Songs, die mehr als ein halbes Jahr in den Single-Wochencharts vertreten sind, ist der Frauenanteil vergleichsweise deutlich höher: 2010: rund 21 % Frauen als Urheber*innen der Songtitel, 2015: knapp 12 %, 2019: 12 %. 

 
Gender in Music: GEMA

Seit 2019 sind 85% der GEMA Mitglieder männlich (2011: 86%).  
Mitglieder, die an mindestens einem Werk/Song beteiligt sind, sind über den betrachteten Zeitraum zu nahezu 90 % männlich (2010: 88 %, 2015: 87 %, 2019: 86 %). 
 
Der Blick auf die bei der GEMA angemeldeten Songs zeigt ein noch größeres Ungleichgewicht: Während die Anzahl der jährlich angemeldeten Songs deutlich gestiegen ist seit 2010, ist der Anteil der beteiligten Frauen von unter 9 % in 2010 auf 6 % in 2019 gesunken.

Männeranteil bei Urheber*innen der GEMA

Gender in Music: Live
 
Auf den Festivalbühnen bleibt die Beteiligung von weiblichen Musiker*innen im beobachteten Zeitraum im Schnitt unter 10%. Es lässt sich jedoch im Zeitverlauf insgesamt eine Steigerung des Frauenanteils beobachten, von etwa 7% in 2010 auf etwas über 12 % in 2019. 
 
Für das zusätzlich ausgewertete Jahr 2022 wurde mit einem Frauenanteil von 16 % ein positiver Aufwärtstrend beobachtet.

Frauenanteil auf festival Bühnen

Bei kleineren Festivals war der Anstieg im Frauenanteil am größten: eine Verdoppelung von 8 % in 2010 auf knapp 17 % in 2019.

Ein höherer Anteil an elektronischer Musik im Line Up korreliert mit einem höheren Frauenanteil.  Je mehr Instrumentalist*innen auf der Bühne stehen, desto höher ist der Männeranteil.
 
Das Festival mit dem höchsten Frauenanteil auf der Bühne war 2022 das Melt Festival mit 38% – ein Festival, das die 50:50 Pledge von Keychange, unterzeichnet hat.

Weitere Infos zu diesen und anderen Themen, findet ihr direkt auf der Website der Malisa Stiftung.